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Ein tiefes Erlebnis mit dem verstorbenen Ehemann

Ich bin im Alter von 30 Jahren Witwe geworden, nachdem mein Mann im Alter von nur 34 Jahren einem Krebsleiden erlegen ist. Nach zwei kräftezehrenden Jahren im Kampf gegen die Krankheit, mit allen nur erdenklichen Höhen und Tiefen, war ich plötzlich mit meinem damals dreijährigem Sohn alleine. Alleine mit der Erziehung, alleine mit der Verantwortung, der Musikschule die wir gemeinsam betrieben haben, und alleine mit Haus und Hof. Ich war völlig leer, ausgebrannt, hilflos und sehr verbittert.

Anstelle von Trauer habe ich eine große Verbitterung und Wut über den Tod meines Mannes verspürt. Warum hatte er mich mit allem alleine gelassen? Ich weiß, daß mein Empfinden meinem Mann gegenüber nicht gerecht war, aber wahrscheinlich war es für mich leichter, Wut zu spüren, als die Trauer zuzulassen. Ich vermied es, an ihn zu denken, wollte nur nach vorne blicken und dieses Kapitel meines Lebens hinter mir lassen, zumal unsere Ehe in den letzten Jahren nicht besonders glücklich gewesen war.

Ich habe mich schon vor Jahren mit dem Thema Nahtodeserfahrung beschäftigt, es hat mir sehr dabei geholfen, den Tod meiner Eltern zu verarbeiten. Ich hatte das Gefühl, diese bedingungslose Liebe zu kennen, die diese Menschen in ihren Erlebnissen schilderten. Ich hatte nun einige Jahre nach dem Tod meines Mannes wieder ein starkes Bedürfnis nach Spiritualität und begann vor etwa zwei Jahren zu meditieren, um Kontakt zu der Urquelle allen Seins zu suchen. In manchen kurzen Augenblicken hatte ich das Gefühl, einen Hauch dieser Liebe zu spüren.

Vor einigen Wochen dann hatte ich ein ganz besonderes Erlebnis. Es ging mir an diesem Tag sehr schlecht, und ich meditierte, betete, flehte einfach den Himmel um Hilfe an. Da ich christlich erzogen wurde, wandte ich mich auch an Jesus Christus.

Ich weiß nicht mehr, wie es kam, aber plötzlich hatte ich das starke Gefühl, meinen Mann zu spüren. Er schien im Raum zu sein, sehr nahe bei mir. Ich spürte seine Gegenwart, seine Energie, die keine Verwechslung zuließ. Ein sehr intensives Gefühl der Nähe, des Friedens und einer bedingungslosen Liebe überwältigte mich. Dieses Gefühl war so intensiv, daß es sich anfühlte, als ob unsere beiden Seelen miteinander verschmelzen würden. Ich habe sehr heftig geweint, aber es war ein sehr befreiendes und erlösendes Weinen. Und alle Gefühle der Wut und Verbitterung waren plötzlich ausgelöscht. Es gab nur Vergebung, Liebe, Frieden und höchste Glückseeligkeit. Mir war, als ob wir mental miteinander kommunizierten, ich "sagte" ihm unentwegt:"Ich liebe dich, bleib hier, geh nicht wieder fort."

Ich weiß nicht genau, wie lange dieser Zustand angehalten hat, aber ich schätze etwa 10 Minuten. Es war auch ein intensives Gefühl der Dankbarkeit in mir, und nicht nur meinem Mann, sondern auch jemand anderem gegenüber. Ich hatte das Gefühl, als ob jemand dieses "Treffen" für uns möglich gemacht hätte, jemand sehr Großes, sehr Heiliges. Ich dachte an meinen Hilferuf kurz zuvor an Christus. Vielleicht war er es, und ich hatte das Gefühl, daß meine Seele aus Ehrfurcht und Dankbarkeit vor diesem Wesen in die Knie ging.

Es ist schwer in Worte zu fassen, aber so habe ich es erlebt. Ich habe den Eindruck, es war eine Begegnung mit einer anderen Realität, einer anderen Dimension, die aber sehr sehr real und unglaublich intensiv ist.

Seit diesem Erlebnis haben sich die Gefühle meinem Mann gegenüber wahrhaftig geändert. Ich kann nicht sagen, daß ich sehr glücklich über meine Situation als alleinerziehende Mutter und Witwe bin, aber es scheint doch alles seinen Sinn zu haben, und ich habe zumindest teilweise meinen Frieden mit meinem Mann gemacht. Dieses Erlebnis hat meine Einstellung ihm gegenüber gewandelt und ich fühle mich freier, der Groll und die Verbitterung haben wesentlich abgenommen und sind einer tiefen Liebe und Verbundenheit über den Tod hinaus gewichen.

 

Ute da Silva Robazza