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Der folgende Beitrag wurde im nte-report 1/2012 veröffentlicht. Ich danke Herrn Sauer und dem Netzwerk Nahtoderfahrung 1 für die Erlaubnis der Veröffentlichung auf meiner Website.

 

Polynesische Wellen. Interview mit Holger Sauer über Nachtodkontakte.

Pazifik – Hawaii – die Liebe, ist dies nicht der Stoff, aus dem Träume sind? Der Stoff für ein kitschiges Hollywood Melodram? Maui, eine der Hawaii-Inseln, dies war auch der Traum des Sportreporters Holger Sauer und seiner Frau Susanne. Wenn da nicht der Tod gewesen wäre. Maui, dies sollte ihre zweite Heimat werden, dort wollten sie alt werden, dort wollten sie ihr gemeinsames Grab finden. Und dann wurde plötzlich alles anders. Susanne starb im Alter von 48 Jahren völlig unerwartet an Krebs, nur 6 Wochen nach der Diagnose. Dennoch fügte sich fast alles so, wie es gemeinsam geplant war.

Polynesische Wellen2 – dies ist kein Roman, es sind keine "Kunstfiguren", die dort ersonnen werden, sondern es ist der "nüchterne" Bericht über die "Liebe seines Lebens". Es ist der Bericht eines rationalen Menschen, weltgereist, mit einem interessanten Beruf, der von sich sagt: "Ich bin kein Esoteriker."

nte-report sprach mit Holger Sauer über sein Buch und die Liebe seines Lebens und über die geheimnisvollen Geschehnisse nach dem tragischen Tod seiner Frau Susanne.

nte-report: Herr Sauer, warum möchten Sie nicht als Esoteriker angesehen werden?

H.S.: Na ja, weil ich ehrlich gesagt diesen Begriff viel zu klischeebehaftet finde. Da stellt man sich immer so leicht der Realität entrückte Menschen vor, und der bin ich nun mal nicht. Ich bin ein mittlerweile 48jähriger Mann, der mitten im Leben steht und der ganz real erlebt hat, was es bedeutet, einen geliebten Menschen zu verlieren. Darüber habe ich ein Buch geschrieben, auch weil nach dem Tod meiner Frau Dinge in meinem Leben geschahen, die überhaupt nicht zu meiner bisherigen Weltsicht passten.

nte-report: Wann waren Sie letzte Mal auf Maui?

H.S.: Ich war über die Weihnachtszeit bis weit in den Januar hinein auf Maui, in meiner kleinen Dschungelhütte. Ich lebe nun unseren gemeinsamen Traum von einem Platz an diesem wunderschönen Ort. Und wie diese Möglichkeit zu Stande kam, diesen Traum von meiner verstorbenen Frau und mir nun zu leben, ist für mich immer noch ein Wunder, vor dem ich einfach nur demütig dastehe.

nte-report: Sie beschreiben das gegenseitige Kennenlernen, das Wachsen der Liebe, Ihre gemeinsamen Interessen, die Bewältigung der unterschiedlichen beruflichen Herausforderungen, Ihre Hochzeit auf Hawaii und die innige Verbundenheit in den über 16 gemeinsamen Jahren Ihrer Beziehung. War da bereits eine leise Ahnung von dem frühen Tod bei Ihrer Frau zu spüren?

H.S.: Nein, in all den gemeinsamen Jahren denkt man natürlich an so etwas nicht. Mir ist allerdings im Nachhinein, nach dem Tod meiner Frau, aufgefallen, dass sie in ihrem letzten Lebensjahr alle angefangenen Projekte, Fortbildungen, usw. beendet hatte. Erst kurz darauf zeigte sich ihre Krebserkrankung, kam die Diagnose. Ich finde das nach wie vor bemerkenswert, dass meine Frau offensichtlich alles vollbracht und vollendet hatte, bevor sie krank wurde und starb.

nte-report: Nach dem Tod Ihrer Frau mussten Sie wieder in der Realität ankommen: ein Leben ohne Susanne. Sie schreiben: "Doch sie kam zurück." Was wollen Sie damit sagen? Was geschah da?

H.S.: Ich hatte ganz offensichtlich sogenannte "Nachtodkontakte". Diese Begegnungen mit Susanne in einem Zustand, den ich nicht als Schlaf oder Traum definieren kann, waren teilweise so real, so beeindruckend und auch inhaltlich so positiv besetzt, dass ich mein gesamtes bisheriges Weltbild anfing zu überdenken und in Frage zu stellen. Diese Erlebnisse waren für mich vorher völlig undenkbar gewesen. So etwas gibt es doch gar nicht! Und auf einmal erlebe ich diese Nachtodkontakte, die einen ungeheuer positiven Effekt auf meine Trauer hatten und immer noch haben.
Drei Tage nach ihrem Tod stand meine Frau plötzlich in einer Art Halbschlaf in einem "Traumbild" direkt vor mir, ohne räumlichen Hintergrund, schaute mich frontal an und sagte: "Mensch Holger, das ging jetzt aber alles ganz schön schnell, was?" Ich schreckte förmlich aus meinem Bett auf, sie war ja völlig aus dem Nichts gekommen. Das war schon sehr beeindruckend!

nte-report: Warum sind Sie sich sicher, dass dies kein gewöhnlicher Traum war? Kein ausschließlich innerpsychischer Prozess zur Trauerbewältigung?

H.S.: Nun, mit Sicherheit kann ich das natürlich nicht sagen. Das kann niemand. Aber ich habe diese Ereignisse für mich sehr genau registriert, dann auch notiert und mit vielen Menschen darüber gesprochen. Diese Erlebnisse passten ja alle zu der Denkweise und dem Glauben von Susanne, nicht zu mir. Ich hatte manchmal fast den Eindruck, als wolle sie mir sagen:" Siehste mein Lieber, ich hatte Recht." Diese Erlebnisse fanden bei völlig klarem Bewusstsein statt, es waren keine typischen Träume mit Situationen oder anderen Menschen, die man sonst so träumt. Das war für mich ganz klar zu unterscheiden. Es waren Begegnungen auf einer anderen Ebene. Manchmal war es so etwas wie ein telepathisches Gespräch. Dazu kam dann noch eine für mich auffällige Häufung von realen Zufällen, die auch immer einen Bezug zu unserer Liebe und unserer Beziehung hatten.

nte-report: Die "Zufälle", wie Sie schreiben, die Fügungen verdichten sich danach. Sie gipfelten in einem Schlüsselerlebnis am 22.09.2008.

H.S.: Ich befand mich noch in der Einschlafphase, als ich plötzlich eine Art Lähmung meines Körpers registrierte. Ich war augenblicklich innerlich voll erwacht, bei klarem Bewusstsein. Konnte halt nur meinen Körper nicht bewegen. Ich spürte eine Kraft, die an mir zog. Dann fällte ich eine bewusste Entscheidung: "Lass es geschehen, wehre dich nicht." Augenblicklich hörte dieses Gefühl des Ziehens auf. Dann hörte ich völlig undifferenziertes Stimmengemurmel. Kein Traumbild, keine Situation, die typisch für einen Traum wäre. Nur reines Hören. Volle Konzentration. Und plötzlich hörte ich Susannes Stimme: "Ich liebe Dich." Pause. "Ich habe jetzt eine andere Aufgabe." Dann war alles vorbei, ich hörte wieder vorbeifahrende Autos durchs geöffnete Fenster und erwachte aus diesem Zustand. Ich saß anschließend aufrecht im Bett und hatte überall Gänsehaut, so real war dieses Erlebnis. Das werde ich den Rest meines Lebens nicht vergessen. Unglaublich!

nte-report: Auch heute noch haben Sie eine vorsichtig-kritische Einstellung zu ihrem eigenen Erleben. Und dennoch entwickelten die Erlebnisse eine innere Überzeugungskraft. Was macht Sie so sicher?

H.S.: Ich glaube, das hat mit meiner Neugier und meiner offensiven Art zu tun, darüber zu reden. Ich las zahlreiche Bücher zu diesen Themen, wie z.B. von Raymond Moody oder auch Pim van Lommel. Und siehe da: Ich bin mit meinen Erlebnissen, den Nachtodkontakten, nicht alleine! Es ergeht ganz vielen so. Ich traf immer wieder auf Menschen, bzw. Schilderungen in Büchern, die ähnliche Erlebnisse hatten. Es ist ganz offensichtlich ein bekanntes Phänomen, das die Wissenschaft bisher nicht schlüssig erklären kann. Diese Nachtodkontakte geben mir eine große Kraft mein Leben weiter zu führen und zwar bewusster denn je. Ich bin mir auch zunehmend sicher, dass mit unserem physischen Tod nicht alles vorbei ist. Die in Büchern beschriebenen und selbst erlebten Nachtodkontakte und andere Phänomene lassen mich jedenfalls hoffen, dass da etwas kommt.

nte-report: Mit der Art der Spiritualität, die Ihre Frau in den Jahren vor ihrem Tod verstärkt entwickelte, konnten Sie wenig anfangen. Wie hat sich Ihr Verständnis von Spiritualität heute entwickelt? Wie integrieren Sie diese Erfahrungen in Ihr Leben?

H.S.: Ich lebe bewusster. Der Tod meiner Frau und die Nachtodkontakte haben mich verändert. Ich versuche jeden Tag etwas Schönes zu erleben. Das ist eigentlich gar nicht schwer. Ich bin spirituellen Gedanken gegenüber viel offener geworden. Wir Menschen glauben ja immer, dass wir bereits alles wissen. Tun wir aber nicht. Also, warum soll es nicht noch etwas anderes geben, das jenseits unseres Vorstellungsvermögens liegt? Jedenfalls fühle ich mich in vielen Denkweisen meiner Frau nun viel näher als zu ihren Lebzeiten. Das finde ich erstaunlich. Dadurch ist Susanne mir auch nach wie vor sehr nah.

nte-report: Sie sind offen mit diesen Erlebnissen umgegangen. Sie sprachen darüber in Ihrem Verwandten- und Bekanntenkreis, darunter auch Mediziner. Wie reagierten diese darauf?

H.S.: Insgesamt war ich sehr überrascht: Viele Menschen aus meinem Umfeld trauten sich nach meinen Schilderungen anschließend auch, über ihre Erfahrungen und Erlebnisse zu berichten. Es waren immer wieder die gleichen Schilderungen, die Metaphern ähnelten sich alle. Auffallend finde ich, dass überwiegend Frauen für diesen Themenbereich offener zu sein scheinen als Männer. Ablehnung habe ich höchst selten erfahren, eher Interesse und Neugier. Oft kam sogar die Aufforderung meine Erlebnisse aufzuschreiben. So entstand dann die Idee für mein Buch. Und es war natürlich auch eine Form der Eigentherapie mit dem Tod von Susanne zurecht zu kommen.

nte-report: Der Tod Ihrer Frau liegt nun über 3 Jahre zurück. Sie haben dieses Buch geschrieben, dem ich weite Verbreitung wünsche. Haben damit auch die Erlebnisse ihr Ende gefunden?

H.S.: Im Großen und Ganzen ja. Die Nachtodkontakte waren etwa im ersten Jahr nach Susannes Tod am intensivsten.
Doch es gibt sie immer noch, wenn auch viel seltener. Zuletzt hatte ich bei meinem Aufenthalt auf Maui solch eine "traumartige" Begegnung. Es ist dann wie ein Besuch von ihr. Darüber freue ich mich dann regelrecht, auch wenn dies immer noch gleichzeitig mit einer großen Traurigkeit verbunden ist. Ich fühle mich meiner Frau besonders auf Maui sehr nahe.

nte-report: Worin sehen Sie die eigentliche Sinndimension, die "Kern-Botschaft" Ihrer Erlebnisse?

H.S.: Ich fühle mich beschenkt! Ich glaube, ich durfte einen kurzen Blick in eine andere Realität werfen. Und die Verbindung dorthin ist unsere Liebe. Für mich bedeutet es vor allem, mein Leben weiter zu leben und zu genießen. Das würde meine Frau auch so wollen. Ich habe keine Angst mehr vor dem Tod. Denn durch meine Nachtodkontakte mit Susanne habe ich ja mein bisheriges Weltbild völlig auf den Kopf stellen müssen. Und ehrlich gesagt, fühlt sich dieses neue Weltbild ziemlich gut an. Ich hoffe auf ein Danach und ein wie auch immer geartetes Wiedersehen. "Die Liebe bleibt immer", sagte Susanne zu mir kurz vor ihrem Tod. Sie hat, wie so häufig in unserer Beziehung, recht!

nte-report: Wir danken Ihnen für das Gespräch.

 

 


1 Mitglieder des Netzwerk Nahtoderfahrung sind Natur- und Geisteswissenschaftler, Menschen mit Nahtod- oder ähnlichen Erfahrungen und Interessierte. Ziel des Netzwerks ist es, Impulse zur wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit diesen Erfahrungen zu geben, der Öffentlichkeit fundierte Informationen zur Verfügung zu stellen sowie Ansprechpartner für Interessierte und Personen mit derartigen Erfahrungen zu sein.

2 Das Buch: Polynesische Wellen – Eine Geschichte über die Liebe und den Tod. Holger Sauer, Book on Demand 2011, ISBN 13-978-3-844-80806-3, Bezug über den Buchhandel, Internet oder den Autor.